Pension Nossek

Im Hausflur hängt eine Bassena, das Wasserbecken aus den Zeiten, in denen die Wiener Wohnungen noch kein eigenes fließendes Wasser hatten. Das Parkett knarzt, die Gangfenster haben Butzenscheiben, und von der Jugendstilvitrine im Frühstückszimmer rankt sich eine absolut unschicke Grünpflanze herab. Seit die Geheimratswitwen der k. u. k. Zeit begannen, ihre zu groß gewordenen Etagenwohnungen an ältere Fräulein und einsame Angestellte zu vermieten, hat das Pensionswesen Tradition.

Und nirgendwo lässt sich dieser Tradition besser nachspüren als in der Pension Nossek, wenn auch mit ein paar Modifizierungen: Statt einer umfasst das Nossek drei Etagen und statt der Witwe führen drei muntere Schwestern Susanne, Maria und Theresia das Regime. Aber was heißt schon Regime! Mit Schwung, guter Laune und selbst gemachtem Zwetschgen-Mus zum Frühstück kümmern sie sich um die Gäste, malen die Bilder zur Ausschmückung selbst ("Der Renoir im Salon ist von uns!"), plaudern in acht Sprachen und werben um Verständnis dafür, dass es Fernseher nur auf Anfrage gibt – der Ruhe wegen. Die Frau Geheimrat lässt grüßen, und allen gefällt`s.

 

 

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